Ein chinesisches Staatsunternehmen hat sich einen bedeutenden Auftrag für ein Nahverkehrsprojekt im Senegal gesichert: Der weltweit größte Hersteller von Schienenfahrzeugen wird nahezu 400 Erdgasbusse in die senegalesische Hauptstadt Dakar liefern. Ein großer europäischer Hersteller, der auf diesen Auftrag gehofft hatte, geht leer aus, obwohl die EU das Millionenprojekt finanziert.
Der Verkehr in Dakar ist von Chaos geprägt: Bunte Kleinbusse, Sammeltaxis und unzählige Roller führen regelmäßig zu langen Staus in der Hauptstadt, die zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt zählt. Mit 1,3 Millionen Einwohnern ist die Stadt stark überlastet, da viele Pendler zwischen den Vororten und dem Stadtzentrum reisen müssen. Dakar liegt auf einer Halbinsel, die von drei Seiten vom Meer umgeben ist, was die Verkehrsströme durch einen engen Korridor ins Stadtzentrum zwingt.
Neues Schnellbus-System in Dakar
Um das Verkehrsaufkommen in Dakar zu reduzieren, wurde 2024 das Schnellbus-System Bus Rapid Transit (BRT) eingeführt. Diese Flotte besteht aus 121 vollelektrischen Bussen, die auf einer Strecke von 18 Kilometern 14 Gemeinden verbinden und die Reisezeit durch die Stadt erheblich verkürzen. Ein Passagier äußerte sich positiv über den neuen Service: „Der neue Service ist wirklich praktisch, weil er die Fahrzeiten verkürzt. Außerdem gibt es im Bus eine Klimaanlage und viel Platz.“ Die Kosten für eine Fahrt liegen zwischen 60 und 80 Cent.
Das Projekt wurde teilweise von der EU finanziert, die ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 80 Millionen Euro bereitstellte, zusätzlich zu 7 Millionen Euro im Rahmen der Global-Gateway-Initiative.
Chinesische Unternehmen dominieren
Der entscheidende Vorteil für die chinesischen Unternehmen liegt in der Vergabe der Bauarbeiten. Die China Road and Bridge Corporation (CRBC) hat die Infrastruktur, einschließlich der Busstationen und Umsteigeknoten, errichtet. Die E-Busse stammen von der China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC), dem größten Hersteller von Schienenfahrzeugen weltweit.
Ein ähnliches Szenario droht nun erneut: Diesmal geht es um ein weiteres Nahverkehrsprojekt in Dakar, bei dem 380 Erdgasbusse zum Einsatz kommen sollen. Das 320 Millionen Euro teure Projekt wird ebenfalls von der EU finanziert, mit Beteiligung der EIB, der Europäischen Kommission, der französischen Entwicklungsagentur (AFD) und der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Scania und europäische Hersteller gehen leer aus
Der schwedische Fahrzeughersteller Scania hatte sich um den Auftrag beworben und war der einzige europäische Bieter. Der Zuschlag scheint jedoch an CRRC zu gehen, das mit einem Angebot, das nur halb so hoch ist wie das der Konkurrenz, als Favorit gilt. Dies wurde von einem Nachrichtenportal berichtet.
Politische Bedenken in Brüssel
Politiker in Brüssel, wie Hildegard Bentele, äußern Bedenken über diesen Vorgang. „Der Vorgang ist aus meiner Sicht hochproblematisch“, sagte die Abgeordnete der konservativen EVP-Fraktion. Sie betonte, dass es nicht nur um den Preis oder technische Vorteile gehen dürfe. „Hersteller in China können durch niedrigere Lohnkosten, schlechtere Arbeitsbedingungen, staatliche Subventionen und geringere Umweltauflagen deutlich günstiger produzieren. Die EU bezahlt, aber die Wertschöpfung, technologische Umsetzung und der wirtschaftliche Nutzen liegen außerhalb Europas. Das ist aus meiner Sicht kein tragfähiges Modell für die Zukunft.“
Eigentlich hätte sich das chinesische Staatsunternehmen gar nicht bewerben dürfen, da G-20-Länder außerhalb der EU für Ausschreibungen, die von der EU verwaltet werden, grundsätzlich nicht teilnahmeberechtigt sind, wie ein Kommissionssprecher erklärte.
Die Europäische Investitionsbank erklärte, dass sie zwar nach der „Global Gateway“-Strategie investiere, dies jedoch nicht bedeute, dass nur europäische Projekte unterstützt würden. Mit dieser Initiative will die EU bis zu 300 Milliarden Euro in die Infrastruktur ärmerer Länder mobilisieren.
Entscheidung über Erdgasbusse verschoben
Die Entscheidung darüber, welches Unternehmen die Erdgasbusse nach Dakar liefern wird, sollte in den kommenden Wochen getroffen werden, wurde jedoch auf später in diesem Jahr verschoben, möglicherweise aufgrund des Widerstands aus Europa.
Chinas Vormarsch auf dem afrikanischen Markt
China hat sich durch staatliche Subventionen als führender Anbieter von Elektrofahrzeugen etabliert. Auch in Afrika drängen chinesische Hersteller auf den Markt und verkaufen dort zunehmend Fahrzeuge. Die Exporte haben sich zwischen 2020 und 2024 mehr als verdoppelt.
In Kapstadt, Südafrika, fahren Elektrobusse des chinesischen Herstellers BYD. Das örtliche Busunternehmen Golden Arrow hat 120 Busse des größten chinesischen E-Auto-Herstellers erworben, was den CO2-Ausstoß des Unternehmens um zehn Prozent reduziert hat.
Chinesische Fahrzeughersteller errichten zudem immer mehr lokale Produktionsstätten in Afrika. In Ländern wie Nigeria, Kenia und Äthiopien werden Elektrofahrzeuge, darunter Mini-Busse, im Bausatzmodell zusammengebaut, wobei die Teile aus China geliefert werden. Diese Fahrzeuge gelten als lokal produziert, was sowohl dem Land als auch dem Hersteller zugutekommt, da die lokale Politik Arbeitsplätze schafft und der chinesische Anbieter frühzeitig Marktanteile sichert.
Pragmatische Ansätze zur Elektromobilität
Der Elektromobilitätsexperte Prian Reddy aus Kapstadt sieht die Situation pragmatisch: „Viele afrikanische Länder sind finanziell eingeschränkt. Wir sollten jede Entwicklungshilfe nutzen“, äußerte er in einem Podcast. „Wir wollen, dass Afrika einen Sprung in die klimaneutrale Zukunft macht. Wenn wir versuchen, alles alleine zu machen, wird es länger dauern. Anstatt das Rad neu zu erfinden, sollten wir die vorhandenen Ressourcen, die Lieferkette und die Finanzierungsmöglichkeiten nutzen.“
Chinesische Busse auf dem europäischen Markt
Chinesische Fahrzeuge dringen auch zunehmend in den europäischen Markt vor, einschließlich Deutschland. E-Busse des Herstellers BYD sind bereits für die Deutsche Bahn im Einsatz, und weitere 3300 neue Hybrid- und Elektrobusse sind bestellt worden. Die meisten dieser Busse werden vom Münchner Hersteller MAN geliefert, jedoch sind auch 200 elektrische Überlandbusse von BYD vorgesehen.
Obwohl die Busse aus China kostengünstiger sind, gibt es Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit. Ein Test in Norwegen hat gezeigt, dass Busse des Herstellers Yutong theoretisch aus der Ferne gestoppt oder lahmgelegt werden könnten. Schweden hat daher im vergangenen Jahr chinesische E-Busse vorsorglich aus dem Verkehr gezogen, um zu verhindern, dass sensible Daten gesammelt werden.
In Afrika scheinen solche Bedenken jedoch weniger ausgeprägt zu sein. Der Kontinent ist bereit, saubere und erschwingliche Massenverkehrsmittel zu akzeptieren, auch wenn dies eine Abhängigkeit von China mit sich bringt.
Ein aktuelles Beispiel für technische Mängel in der Automobilindustrie ist der Rückruf von Mercedes, der zeigt, wie wichtig Qualität und Sicherheit in der Fahrzeugproduktion sind. Auch die Diskussion um den Industriestrompreis in Deutschland wirft Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit auf. Schließlich ist die Reaktion der EU auf die drohende Energiekrise von großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Branche.
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Bildquelle: MichalCZE via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)