In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar fand am Sonntag eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Der Schauspieler und Komiker Hape Kerkeling, der als Enkel eines Überlebenden sprach, betonte die Notwendigkeit, die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten. Im Vorfeld der Gedenkfeier gab es Diskussionen und Kontroversen.
Kerkeling äußerte sich mit eindringlichen Worten gegen das Erstarken rechter Kräfte und forderte ein starkes Festhalten an der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. „Wer diese Zeit zu einem Vogelschiss herabwürdigen will, der greift unser Fundament an“, erklärte Kerkeling während der Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers vor 81 Jahren. „Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren.“
Verantwortung für die Geschichte betont
Mit seinen Aussagen richtete sich Kerkeling gegen Bestrebungen, die Erinnerungskultur in Deutschland zu verändern, was letztlich eine Relativierung des Holocaust zur Folge haben könnte. Der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland hatte in der Vergangenheit die NS-Diktatur als einen „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnet.
Kerkeling betonte die heutige Verantwortung für die Geschichte: „So etwas wie eine Gnade der späten Geburt gibt es nicht. Wer heute behauptet, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, der hat nicht verstanden, dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind. Sie warten darauf, in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, im dumpfen Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden.“
Die Erinnerung wachhalten
Als Enkel eines Überlebenden sprach Kerkeling über die Geschichte seines Großvaters, der als politischer Häftling im KZ Zwangsarbeit leisten musste, weil er Flugblätter gegen Hitler verteilt hatte. „Er war ein Mensch, der schlichtweg nicht bereit war, wegzusehen, als die Dunkelheit über Deutschland hereinbrach“, sagte Kerkeling.
Er wolle die Erinnerung an die Opfer wachhalten und erklärte: „Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt.“ Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre „der Schlussstrich unter unsere Demokratie“, warnte er und forderte, dass diese von jeder Generation stets „gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens verteidigt“ werden müsse.
Politische Stimmen zur Gedenkveranstaltung
Bei der Veranstaltung sprach auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). Er äußerte sich empört über die zunehmenden rechtsextremen Angriffe auf KZ-Gedenkstätten und die antisemitischen Schmierereien in Gästebüchern. „Genauso fassungslos bin ich, dass neuerdings propalästinensische Aktivisten Buchenwald für ihren Israelhass instrumentalisieren“, fügte er hinzu.
Kontroversen um Mahnwache
Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung gab es Kontroversen um eine von der Initiative Kufiyas angemeldete Mahnwache vor dem ehemaligen Lagergelände. Diese Gruppe warf der Gedenkstätte „israelische Propaganda“ sowie „Repression gegen jegliche Palästinasolidarität“ vor, im Kontext des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Sie erklärte, das frühere KZ werde „zunehmend zu einem Ort des Geschichtsrevisionismus und der Genozidleugnung“.
Die Versammlungsbehörde der Stadt Weimar verbot die Mahnwache am Lager. Zudem bestätigte das Verwaltungsgericht Weimar ein von der Gedenkstätte ausgesprochenes Verbot des Tragens von Kufiyas auf ihrem Gelände im Zusammenhang mit der Mahnwache.
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Bildquelle: Superbass via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)