„Der Chef versteht die Situation genau“, zitiert eine Quelle aus Kadyrows Umfeld. „Er hat keine Lust, sein Volk zugunsten Russlands zu opfern.“
Ramsan Kadyrow, der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, hat in der Öffentlichkeit oft betont, wie viele Kämpfer er für die russischen Streitkräfte in der Ukraine mobilisiert. Doch die Realität sieht anders aus: Die sogenannten „Tiktok-Soldaten“ sind auf dem Schlachtfeld kaum präsent. Der Kremlchef Wladimir Putin scheint diese Taktik zu unterstützen, da ihm die Stabilität in Tschetschenien wichtiger ist.
Die Realität hinter Kadyrows Zahlen
Obwohl Kadyrow angibt, über 70.000 Kämpfer in den Ukraine-Konflikt geschickt zu haben, zeigen Analysen, dass diese Zahl nicht mit der Realität übereinstimmt. Laut der russischen Exilnachrichtenseite Mediazona, die seit Beginn des Krieges die Herkunft gefallener Soldaten auswertet, sind bis Mitte August 543 Tschetschenen gefallen. Dies entspricht lediglich 0,2 Prozent aller russischen Gefallenen, während Tschetschenen insgesamt 1,1 Prozent der russischen Bevölkerung ausmachen.
Diese Statistiken verdeutlichen, dass Kadyrow tatsächlich versucht, seine Männer vom Krieg fernzuhalten.
„Der Chef versteht die Situation genau“, zitiert eine Quelle aus dem engsten Umfeld der tschetschenischen Führung. „Kadyrow hat keine Lust, sein Volk zugunsten Russlands zu opfern.“
Die Geschichte Tschetscheniens
Tschetschenien hat eine bewegte Geschichte, die von Konflikten geprägt ist. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte die Republik 1991 ihre Unabhängigkeit, was zu einem ersten Krieg mit Russland führte, der 1994 begann. Nach blutigen Kämpfen wurde 1997 ein Friedensvertrag unterzeichnet, der jedoch den politischen Status der Region nicht klärte. 1999 erklärte Russland erneut den Krieg, was zur Installation einer Moskau-freundlichen Regierung führte, an deren Spitze Kadyrows Vater Achmat Kadyrow stand, der 2004 bei einem Anschlag getötet wurde. Seit 2007 regiert Ramsan Kadyrow die Region mit harter Hand.
Kadyrows brutale Herrschaft
Die Präsidentschaft Kadyrows ist geprägt von Menschenrechtsverletzungen. Gewalt und politische Morde sind an der Tagesordnung. Der Kreml ist daran interessiert, dass in Tschetschenien Ruhe herrscht, weshalb Kadyrow als Putins „Bluthund“ agiert. Hinter ihm steht die brutale Privatarmee, die „Kadyrowzy“, die nicht in die reguläre militärische Kommandostruktur Russlands eingegliedert ist. Diese Miliz hat sich mit Putins Zustimmung zur wichtigsten Sicherheitskraft der Republik entwickelt.
Vor zwei Jahren besuchte Putin Tschetschenien und wurde von Kadyrow mit einem neuen Stadtviertel empfangen, das stolz den Namen „Putinsky“ trägt. Diese Geste zeigt die bedingungslose Loyalität Kadyrows gegenüber dem Kreml. Das Geld für die Entwicklung Tschetscheniens kommt aus Moskau, was Kadyrow ermöglicht, die Region zu kontrollieren und gleichzeitig die Stabilität aufrechtzuerhalten.
Die Herausforderung der Rekrutierung
Die „Kadyrowzy“ sind im Gegensatz zu anderen Regionen nicht bereit, für Russland Opfer zu bringen. Kadyrow muss seine Männer öffentlich als die stärksten Kämpfer darstellen, um den Eindruck zu erwecken, dass sie bereit sind, in den Krieg zu ziehen. In Wahrheit kann er es sich nicht leisten, seine Männer massenhaft in die Ukraine zu schicken, da dies die Stabilität seines Regimes gefährden würde. Hohe Opferzahlen könnten die Stimmung in der Bevölkerung kippen lassen.
Das Trauma zweier Kriege in der jüngeren Vergangenheit wiegt schwer auf der tschetschenischen Bevölkerung.
„Tschetschenen, die älter sind als 35, erinnern sich an die Bombardierungen und Säuberungsaktionen nach dem Vorbild von Butscha“, analysiert eine Quelle.
Putin ist sich dieses Traumas bewusst und lässt Kadyrow gewähren, während er gefälschte Rekrutierungszahlen vorträgt und dessen Männer nicht unnötig in Gefahr bringt.
Fazit
Die wenigen Tschetschenen, die in den Krieg ziehen, haben die Anweisung, es nicht zu übertreiben und auf sich selbst aufzupassen. Russische Militärblogger machen sich über die tschetschenischen Soldaten lustig und bezeichnen sie als „Tiktok-Truppen“, da sie mehr für ihre Auftritte in sozialen Medien bekannt sind als für ihre tatsächliche Präsenz an der Front. Dies könnte Kadyrow insgeheim recht sein, da er seine Kämpfer für den eigenen politischen Überlebenskampf in Tschetschenien benötigt.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Von Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129603509
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