Die Bundesnetzagentur hat einen Vorschlag zur Reform der Netzentgelte präsentiert, der erhebliche Auswirkungen auf Eigentümer von Photovoltaikanlagen haben wird. Ab dem Jahr 2029 müssen diese Haushalte mit höheren Strompreisen rechnen, da sie sich stärker an den Kosten für den Ausbau der Stromnetze beteiligen sollen.
Der Strompreis setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen: dem Grundpreis und dem Arbeitspreis. Der Arbeitspreis orientiert sich am tatsächlichen Stromverbrauch und wird in Cent pro Kilowattstunde angegeben. Aktuell liegt der durchschnittliche Arbeitspreis bei etwa 30 Cent pro Kilowattstunde. Im Gegensatz dazu ist der Grundpreis ein fester Betrag, der unabhängig vom Verbrauch gezahlt wird und in der Regel um die zehn Euro pro Monat beträgt, wobei auch Verträge ohne Grundpreis existieren.
Erhöhung des Grundpreises für Solarstrombesitzer
In den letzten Monaten hat die Bundesnetzagentur an einer Reform der Netzentgelte gearbeitet, da die derzeitige Regelung Ende 2028 ausläuft. In einem aktuellen Zwischenbericht wurde bekannt gegeben, dass ab 2029 ein „in der Höhe gedeckelter Grundpreis“ für Solarbesitzer eingeführt werden soll. Dieser Betrag wird regional variieren und voraussichtlich unter 100 Euro pro Jahr liegen. Ausgenommen von dieser Regelung sind Balkonkraftwerke.
In den Frühlings- und Sommermonaten können Solarbesitzer einen Großteil ihres Strombedarfs durch selbst erzeugten Solarstrom decken, was ihre Kosten reduziert. Dies hat jedoch zur Folge, dass sie weniger zur Finanzierung der Netzkosten beitragen, die für den Ausbau der Stromnetze erforderlich sind. Diese Kosten werden in den kommenden Jahren erheblich steigen, insbesondere im Zuge der Energiewende.
Finanzierung der Netze und Gerechtigkeit
Die Bundesnetzagentur argumentiert, dass Betreiber von Photovoltaikanlagen zu den Verursachern der steigenden Netzkosten gehören, jedoch bisher weniger zur Finanzierung des Netzes beitragen. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, hebt hervor, dass auch Solarbesitzer auf das Netz angewiesen sind, wenn die Sonne nicht scheint und die Speicher leer sind. Die neue Regelung soll sicherstellen, dass die Finanzierung der Netze gerechter verteilt wird, sodass nicht nur Haushalte ohne eigene Stromerzeugung die steigenden Kosten tragen müssen.
Ursprünglich plante die Bundesnetzagentur, Einspeiseentgelte für Solarbesitzer einzuführen, die bei der Einspeisung von Solarstrom fällig werden sollten. Diese Regelung wurde jedoch überarbeitet, sodass private Haushalte und Balkonkraftwerke von dieser Regelung ausgenommen sind. Für größere Solar- und Windparkbetreiber sollen jedoch Einspeiseentgelte zwischen vier und sieben Euro pro Kilowatt pro Jahr gelten. Diese Maßnahme könnte über die Jahre hinweg bis zu zwei Milliarden Euro jährlich zu den Netzkosten beitragen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die geplanten Änderungen der Netzentgelte ab 2029 für Solarbesitzer eine signifikante Erhöhung der Grundgebühren mit sich bringen werden, um eine gerechtere Verteilung der Kosten für den Ausbau der Stromnetze zu gewährleisten. Zudem könnte der genehmigte Industriestrompreis Deutschlands Industrie vor Abwanderung schützen.
Quellen: t-online, express, pv-magazine