Behörden in Deutschland überprüfen derzeit Bunker, Tiefgaragen und U-Bahn-Schächte, um die Bürger im Ernstfall zu schützen. In vielen Städten ist jedoch vom einstigen Schutzraum-Netzwerk kaum mehr als eine Kartei übrig geblieben. Die Notwendigkeit, sich auf Krisen- und Verteidigungsfälle vorzubereiten, hat zugenommen, insbesondere in Anbetracht neuer Pläne des Bundesinnenministeriums, das Milliarden in den Zivilschutz investieren möchte.
Nach offiziellen Angaben existieren in Deutschland 579 sogenannte „öffentliche Schutzräume“. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, dass diese Schutzräume in Bezug auf ihren ursprünglichen Zweck, den Schutz vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN), weder funktions- noch einsatzbereit sind. Die Bundesregierung plant, Schutzräume, Notfallpläne und Warnsysteme zu überprüfen. Hilfsorganisationen fordern seit langem eine bessere Vorbereitung auf großflächige Krisenlagen, doch viele Kommunen stehen vor erheblichen Herausforderungen. Neue Gas-Not in Deutschland? Speicherbetreiber schlagen Alarm
Berlin
Die Hauptstadt Berlin, als Regierungssitz und Millionenmetropole, verfügt über kaum nutzbare öffentliche Schutzräume. Laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind lediglich vier öffentliche Schutzräume mit insgesamt 4.080 Plätzen formal dem Zivilschutz gewidmet, jedoch ist keine dieser Anlagen einsatzbereit. Der Berliner Senat bestätigte, dass derzeit keine nutzbaren öffentlichen Schutzräume existieren.
Sonderfall Ostdeutschland
In ostdeutschen Städten gibt es keine öffentlichen Schutzräume mehr. Die bestehenden Schutzräume wurden nach der Wiedervereinigung nicht in das bundesweite Schutzraumkonzept integriert. Eine Sprecherin der Bundesregierung erklärte, dass diese Schutzräume zu keinem Zeitpunkt der Zivilschutzbindung unterlagen.
Erfurt
In Erfurt sind keine aktiven Schutzbauwerke mehr vorhanden. Die Stadt gab an, dass frühere Schutzräume stillgelegt wurden und nicht reaktiviert werden können. Auch private Hausschutzräume wurden im Zuge von Sanierungen größtenteils umgebaut. Aktuell existieren keine einsatzbereiten Anlagen zum Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall. Die Stadt hat zwar Übersichten möglicher Ausweichorte wie Tiefgaragen, Turnhallen, Schulen oder Messehallen, jedoch ist unklar, ob diese tatsächlich als Schutzräume geeignet wären.
Ein Sprecher der Stadt verwies auf fehlende Vorgaben des Bundes. Unklar sei, welche Anforderungen künftige Schutzräume erfüllen müssten und welche Aufgaben die Kommunen übernehmen sollten. Der Schwerpunkt der bisherigen Planungen liege auf der Unterbringung evakuierter Menschen und nicht auf dem Schutz vor Angriffen. Im Rahmen des Konzepts Zivile Verteidigung arbeitet Erfurt daran, Unterbringungsmöglichkeiten für rund 2.200 Menschen zu schaffen, plant jedoch bislang nur zwei Einrichtungen für jeweils 200 Personen. Falls Putin an der Ostflanke droht: Oberst: „800.000 Streitkräfte würden durch Deutschland verlegt“
Dresden
Dresden verfügt zwar noch über alte Bunker aus DDR-Zeiten oder dem Zweiten Weltkrieg, jedoch stehen derzeit keine funktionsfähigen öffentlichen Schutzräume zur Verfügung. Die Stadt verweist auf fehlende Vorgaben, Konzepte und Finanzierungen durch Bund und Land.
Leipzig
In Leipzig gibt es kein abgestimmtes kommunales Schutzraumkonzept. Unklar sind unter anderem Anforderungen, Zuständigkeiten, Schutzziele, technische Standards, Betreiberpflichten sowie mögliche Finanzierungs- und Förderstrukturen. Daher kann die Stadt aktuell keine belastbaren Angaben zu Zahl, Standorten oder Kapazitäten möglicher Schutzräume machen.
Nürnberg
Nürnberg hatte einst 18 öffentliche Schutzräume mit mehr als 15.000 Plätzen. Heute sind viele Anlagen stillgelegt, verkauft oder anders genutzt. Nur noch vier Einrichtungen mit insgesamt 2.989 Plätzen sind offiziell Schutzräume, jedoch ist keine einsatzbereit. Die Stadt prüft, ob das U-Bahn-Netz im Ernstfall als Zufluchtsort dienen könnte.
Regensburg
In Regensburg gibt es noch drei frühere Schutzanlagen, die jedoch alt und nicht mehr funktionsfähig sind. Die Stadt kann derzeit keine konkreten Schritte zur Reaktivierung bestehender Bunker oder zum Bau neuer Schutzräume einleiten, da verbindliche Entscheidungen und finanzielle Zusagen von Bund und Ländern fehlen.
München
München hat 17 öffentliche Schutzräume, von denen 14 in Tiefgaragen liegen und zusammen rund 16.000 Plätze bieten. Allerdings sind auch diese Anlagen nicht einsatzbereit, da Wartung und Instandhaltung 2007 eingestellt wurden. Die Feuerwehr weist darauf hin, dass die bestehenden Räume nicht den heutigen Gefahrenlagen entsprechen.
Frankfurt am Main
Frankfurt ist an das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes angeschlossen und kann über Warn-Apps, Cell Broadcast, Rundfunk und digitale Tafeln alarmieren. Dennoch gibt es bislang keine festen Schutzorte.
Köln
Köln hat im Ernstfall keinen funktionsfähigen öffentlichen Schutzraum. Das alte westdeutsche Schutzraumkonzept wurde nach dem Kalten Krieg aufgegeben, und Wartung sowie Instandhaltung wurden eingestellt. Künftig könnten auch Tiefgaragen, U-Bahnhöfe oder Kellerräume als Zufluchtsorte in Betracht gezogen werden.
Aachen
In Aachen gibt es noch 14 ehemalige Bunkeranlagen, die jedoch nicht mehr als Schutzräume taugen. Der Musikbunker in der Goffartstraße ist ein Beispiel dafür, dass ehemalige Schutzräume heute für kulturelle Zwecke genutzt werden.
Düsseldorf
Düsseldorf hat fünf öffentliche Schutzräume mit insgesamt 10.862 Plätzen, die formal noch dem Zivilschutz gewidmet sind. Allerdings ist keine der Anlagen einsatzbereit. Der Bilker Bunker, der einst 2.000 Menschen Schutz bot, ist heute ein denkmalgeschütztes Wohn- und Kulturprojekt.
Duisburg
Duisburg hält derzeit keine bezugsfertigen Schutzräume vor. Die Stadt verweist darauf, dass der Zivilschutz in der Zuständigkeit des Bundes liegt und konkrete Vorgaben zur möglichen Rolle der Kommunen oder zur Finanzierung bislang fehlen.
Hamburg
Hamburg hat die größte Fallhöhe: mehr öffentliche Schutzräume als jede andere deutsche Großstadt, jedoch keine einsatzbereite Anlage. 33 Schutzräume mit 33.618 Plätzen sind formal dem Zivilschutz gewidmet, darunter Bahnhofsbereiche und Tiefbunker. Die Frage bleibt, was reaktiviert werden könnte und zu welchem Preis.
Hannover
Hannover hat keine offiziellen Schutzräume mehr; sämtliche früheren Anlagen wurden rückabgewickelt. Bei der Warnung ist die Stadt jedoch besser aufgestellt und verfügt über ein flächendeckendes Sirenenwarnsystem.
Braunschweig
Braunschweig hat kein eigenes städtisches Schutzraumkonzept und verweist auf den Bund. Auch beim Warnsystem ist die Stadt noch im Aufbau.
Bremen
Bremen hat kaum klassische Schutzräume, verfolgt jedoch ein eigenes Programm zur Zivilschutzdebatte. Es gibt noch zwei Anlagen mit insgesamt 489 Plätzen, die jedoch nicht einsatzbereit sind. Bremen hat zudem ein eigenes Landesprogramm für die zivile Verteidigung gestartet.
Kiel
In Kiel gibt es derzeit keine funktionsfähigen öffentlichen Luftschutzbunker oder Schutzräume. Frühere Anlagen wurden bis 2020 zurückgebaut und sind nicht kurzfristig einsatzbereit. Die Stadt prüft Konzepte für Notunterkünfte und Aufenthaltsflächen.
Oberbürgermeister Samet Yilmaz betont die Notwendigkeit, dass der Bund die Kommunen nicht allein lassen dürfe. Es seien bundesweit abgestimmte Konzepte, verlässliche Zuständigkeiten und ausreichende finanzielle Unterstützung erforderlich. Finanzielle Anpassungen im Mai 2026: Beamte, Steuern und Renten im Fokus – Osnabrücker Echo
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Quellen: t-online
Bildquelle: User:Nicor via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)