Undercover-Recherchen der Investigativjournalisten von „Team Wallraff“ werfen ein kritisches Licht auf die Arbeitsbedingungen bei dem Paketdienstleister DPD. Die Berichte deuten auf mögliche Schwarzgeldpraktiken, unbezahlte Überstunden und erhebliche Sicherheitsmängel hin. Fahrer berichten von enormem Druck und unzureichenden Unterkünften. Besonders interessant ist, dass der Zoll kontrolliert Paketdienste zur Aufdeckung von Schwarzarbeit.
Missstände in der Paketbranche
Die Paketbranche steht seit Jahren in der Kritik wegen ihrer Arbeitsbedingungen. Es wird von Arbeitszeiten berichtet, die deutlich über den üblichen acht Stunden liegen, von hohem Zeitdruck, Stundenlöhnen, die unter dem Mindestlohn liegen, und von unzureichendem Arbeitsschutz. Das „Team Wallraff“ hat in diesem Zusammenhang zahlreiche neue Informationen gesammelt, insbesondere über DPD, einen der größten Paketdienstleister in Deutschland.
Monatelang führten die Reporter verdeckte Recherchen durch, die auf gravierenden Arbeitsdruck, unbezahlte Überstunden, Angebote von Schwarzgeld und miserable Lebensbedingungen in Unterkünften hinweisen. Zudem erhielten sie belastende Dokumente zur Arbeitssicherheit in teils baufälligen Depots. Die Ergebnisse dieser Recherchen werden heute um 20:15 Uhr auf RTL ausgestrahlt. Bereits jetzt ist die Folge auf RTL+ verfügbar, ebenso eine neue Episode des „Team Wallraff“-Podcasts. Die DHL: Neue Identität der Deutschen Post und ihre Bedeutung im Logistiksektor spielt ebenfalls eine Rolle in der Diskussion um die Branche.
Subunternehmer und deren Auswirkungen
DPD lässt die Paketzustellung überwiegend über Subunternehmer abwickeln. Dieses System trägt dazu bei, dass Fahrer an ihre Grenzen gebracht und ausgebeutet werden. Ein Reporter fand in Berlin über eine Anzeige einen Job bei einem Subunternehmer, der bis zu 3000 Euro netto für eine 40-Stunden-Woche versprach. Vor Ort berichtete ein Kollege von seinem Minijob-Vertrag mit zusätzlicher Barzahlung, und auch der Reporter erhielt dieses Angebot vom Chef des Subunternehmens.
In Essen schilderte ein Kollege einem anderen Reporter die Möglichkeit, einen Teil des Lohns bar zu erhalten. Zudem berichtete ein Fahrer von einer pauschalen Tagesbezahlung, unabhängig von der tatsächlichen Arbeitszeit. Bei ihren Einsätzen waren beide Reporter täglich 10 bis 12 Stunden unterwegs, oft ohne Pausen.
Rechtliche Rahmenbedingungen und deren Umsetzung
Die „Nachunternehmerhaftung“ soll seit 2019 Paketdienste dazu verpflichten, sicherzustellen, dass die Sozialabgaben von beauftragten Subunternehmern korrekt gezahlt werden. Die Recherchen zeigen jedoch, dass diese Regelung in der Praxis kaum Schutz für die Paketboten bietet. DPD reagierte auf 67 Fragen und eine Interviewanfrage von RTL lediglich mit einem kurzen, allgemeinen Statement und betonte, dass alle Vertragspartner sich zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, insbesondere zu Mindestlohn und fairen Arbeitsbedingungen, verpflichten müssen.
Das Unternehmen erklärte weiter, dass es verbindliche Standards festgelegt habe, die auch für Geschäftspartner und Subunternehmer gelten. Dennoch berichten die Reporter, dass Kosten für Schäden an Fahrzeugen und verlorene Pakete an die Fahrer weitergegeben werden. Viele Subunternehmer rekrutieren gezielt Mitarbeiter aus Osteuropa, oft mit dem Versprechen von Unterkunft und Arbeit. Ein Reporter bestätigte diese Missstände während seines Undercover-Einsatzes in München, wo er für etwa 400 Euro im Monat in einem überfüllten Dreibettzimmer untergebracht wurde, das nur eine dürftige Küche und eine Toilette ohne Schloss bot.
Sicherheitsmängel in DPD-Depots
Eine Informantin übergab dem Team umfangreiche Dokumente, die auf erhebliche Sicherheitsmängel in DPD-Depots hinweisen. Eine Karte aus dem Jahr 2024 zeigt 89 Standorte, bei denen Prüfer offenbar bei etwa drei Vierteln der Anlagen teils erhebliche Sicherheitsmängel und damit Unfallrisiken feststellten. Ein Reporter bemerkte ähnliche Sicherheitsrisiken während seines Probetages in einem dieser Lager in Erftstadt, wo an einigen Maschinen Schutzvorrichtungen fehlten.
Laut der Informantin soll die DPD-Spitze über die Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen informiert sein, jedoch einen strengen Sparkurs verfolgen. DPD erklärte dazu, dass die Anlagen regelmäßig kontrolliert werden, unter anderem im Rahmen von UVV-Sicherheitsüberprüfungen und Prüfungen durch staatliche Aufsichtsbehörden.
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Quellen: n-tv