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Bildungsstudie: Deutsche 15-Jährige schneiden im internationalen Vergleich schlechter ab

Eine aktuelle Studie von UNICEF zeigt, dass 15-Jährige in Deutschland in Mathematik und Lesen besser abschneiden als oft berichtet. Trotz missverständlicher Berichterstattung belegt Deutschland im internationalen Vergleich den 20. Platz von 43 Ländern.

Bildungsstudie: Deutsche 15-Jährige schneiden im internationalen Vergleich schlechter ab
Bildquelle: Michael Schlierf auf Pexels

Die jüngsten Ergebnisse einer Untersuchung von UNICEF haben in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregt, insbesondere wegen der angeblich unzureichenden Bildungsleistungen von 15-Jährigen in Deutschland. Berichten zufolge erreichen lediglich 60 Prozent dieser Altersgruppe die grundlegenden Anforderungen in den Bereichen Lesen und Mathematik, was Deutschland auf den 34. Platz unter 41 Ländern zurückfallen lässt. Diese Darstellung wird als besorgniserregend wahrgenommen.

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Diese Berichterstattung basiert auf einer Pressemitteilung von UNICEF Deutschland, die sich auf eine internationale Vergleichsstudie des Forschungsinstituts Innocenti stützt. Allerdings wird die Interpretation der Ergebnisse als fehlerhaft angesehen und führt zu Missverständnissen.

In der Onlineversion der Pressemitteilung findet sich eine achtseitige Zusammenfassung der Studie sowie der vollständige Bericht in englischer Sprache. Der Originalbericht präsentiert auf Seite 32 ein Ranking der untersuchten Länder bezüglich der schulischen Kompetenzen in Mathematik und Lesen. Entgegen der Behauptung belegt Deutschland mit 60 Prozent der Schüler, die die Mindestanforderungen erfüllen, nicht den 34., sondern den 20. Platz von 43 Ländern. Damit liegt Deutschland im Mittelfeld, über Ländern wie Schweden (59 Prozent, Platz 23), Norwegen (56 Prozent, Platz 27) und Island (50 Prozent, Platz 32). An der Spitze steht Südkorea mit einer beeindruckenden Quote von 79 Prozent.

In sozialen Medien kursiert zudem die Behauptung, dass etwa zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland Analphabeten seien, wobei Migranten als ein Einflussfaktor genannt werden.

In einem weiteren Ranking, das ebenfalls in der Zusammenfassung der Studie zu finden ist, belegt Deutschland tatsächlich den 34. Platz von 41 Ländern. Dieses Ergebnis bezieht sich jedoch auf die Bewertung sozialer und schulischer Kompetenzen. Die Studie zeigt, dass 15-Jährige in Deutschland ihre Fähigkeiten, Freundschaften zu schließen, im internationalen Vergleich als ausgesprochen gering einschätzen. Nur Mexiko und Chile schneiden in dieser Hinsicht schlechter ab.

Ein Sprecher von UNICEF Deutschland bestätigte auf Anfrage, dass die missverständliche Platzierung in der Pressemitteilung auf eine „unklare Formulierung“ zurückzuführen sei. Diese 34 beziehe sich nicht ausschließlich auf Lese- und Mathematikkompetenzen, sondern auf das Gesamtranking der akademischen und sozialen Fähigkeiten. UNICEF bedauert das Missverständnis und hat die Pressemitteilung auf ihrer Webseite entsprechend überarbeitet.

Die Mindestkompetenz in Mathematik und Lesen, auf die sich das Bildungsranking bezieht, entspricht der Kompetenzstufe II im PISA-Vergleichstest 2022. Diese Stufe gilt als notwendig, um aktiv an der modernen Gesellschaft teilzuhaben. Die Anforderungen übersteigen die einfache Alphabetisierung und das Beherrschen grundlegender Rechenarten.

Die fehlerhafte Pressemitteilung fand zudem in verschiedenen Meinungsartikeln eine falsche Auslegung. So wurde fälschlicherweise behauptet, dass 40 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland nahezu Analphabeten seien und mit den Grundrechenarten Schwierigkeiten hätten. Diese Schlussfolgerung ist jedoch nicht zutreffend. Wenn 60 Prozent der Schüler beide Tests bestehen, impliziert das nicht, dass die verbleibenden 40 Prozent in beiden Tests durchfallen. Einige könnten den Mathematiktest erfolgreich absolviert haben, während andere im Lesetest gut abschnitten.

Eine weitere Analyse zeigt, dass Deutschland in einer anderen Studie zur Bildungschancen lediglich den 25. Platz unter 37 untersuchten Industrieländern einnimmt. Besonders auffällig ist die soziale Ungleichheit: Nur 46 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen grundlegende Kompetenzen, während dieser Wert bei privilegierten Familien bei 90 Prozent liegt. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF, hebt hervor, dass Investitionen in Bildung und soziale Teilhabe entscheidend für die Zukunft der Kinder sind. Weitere Informationen zu den aktuellen Herausforderungen in Deutschland finden Sie in dem Artikel Woran liegt der aktuelle Anstieg der Armutsquote in Deutschland? und einem Blick auf die Familienstruktur in So viele Familien, so wenig Nachwuchs: Ein Blick auf die aktuellen Geburtenzahlen.

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Quellen: tagesschau, 40 Prozent der 15-Jährigen können kaum rechnen und lesen, Unicef-Studie: Vier von zehn Jugendlichen in Deutschland können kaum lesen

Bildquelle: Bildquelle: Michael Schlierf auf Pexels

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