Der deutsche Zoll hat im JadeWeserPort in Wilhelmshaven eine beispiellose Menge Kokain beschlagnahmt. Dieser Vorfall beleuchtet die zunehmende Rolle von Sierra Leone im internationalen Kokainhandel, wie Recherchen zeigen.
Rekordfund im JadeWeserPort
Ein 160-Meter-Containerschiff legte Anfang Februar am Terminal des JadeWeserPort an. Das Schiff, das aus Sierra Leone kam, sollte verschiedene Waren entladen, darunter einen grauen Container, der lediglich umgeladen werden sollte. Laut den Frachtpapieren enthielt dieser Container Kakaobohnen und war für den Hafen in Barcelona, Spanien, bestimmt. Die Zöllner fanden die Lieferung jedoch verdächtig und führten eine Kontrolle durch.
Bei dieser Überprüfung entdeckten die Beamten 400 Pakete, die fest in schwarzes Plastik eingewickelt waren. Jedes Paket enthielt 20 Blöcke Kokain, was insgesamt acht Tonnen der Droge ausmachte. Dies stellt eine der größten Einzelsicherstellungen in Deutschland dar.
Schlag gegen die Drogenkriminalität
Tino Igelmann, der Leiter des Zollkriminalamtes, bezeichnete den Fund als einen schweren Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität. Er dankte der Staatsanwaltschaft Aurich für die schnelle Zustimmung zur Vernichtung der Drogen, um zu verhindern, dass die Drogenbande versucht, die Drogen zurückzuerlangen. Zoll kontrolliert Paketdienste zur Aufdeckung von Schwarzarbeit
Europas Kokainabsatzmarkt
Der Fall ist bemerkenswert, da Europa sich in den letzten Jahren zum größten Kokainabsatzmarkt der Welt entwickelt hat. Jährlich gelangen immer größere Mengen aus Lateinamerika nach Frankreich, Spanien, Belgien, Deutschland und in die Niederlande. In Reaktion auf die steigenden Kokainmengen haben europäische Häfen ihre Sicherheitsmaßnahmen erheblich verstärkt, was zu einem Rückgang der Funde in großen Häfen wie Rotterdam, Hamburg und Antwerpen geführt hat.
Der aktuelle Fund im JadeWeserPort, einem vergleichsweise kleinen Hafen, bestätigt die Warnungen der Ermittler, dass kleinere und Binnenhäfen zunehmend ins Visier von Drogenbanden geraten könnten. In den letzten Monaten gab es immer wieder spektakuläre Drogenfunde in kleinen Häfen in Frankreich und Deutschland.
Sierra Leone als zentraler Umschlagplatz
Sierra Leone hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Umschlagplatz im transatlantischen Kokainhandel entwickelt. Drogen werden mit Schiffen aus Lateinamerika nach Westafrika geschmuggelt und von dort aus weiter nach Europa transportiert. Erst Anfang Mai wurde ein weiteres Schiff aus Sierra Leone von der spanischen Polizei vor der Küste der Westsahara gestoppt, an Bord befanden sich mehr als 30 Tonnen Kokain.
Niederländische Ermittler bringen die steigenden Kokainlieferungen aus Westafrika mit einem Mann in Verbindung, der als „Bolle Jos“ bekannt ist. Jos Leijdekkers gilt als einer der meistgesuchten Kriminellen in Europa. In den Niederlanden wurde er in Abwesenheit zu 24 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen des Schmuggels von fast sieben Tonnen Kokain.
Internationale Ermittlungen und Herausforderungen
Die Opposition in Sierra Leone wirft der Regierung vor, den niederländischen Drogenbaron zu schützen, was die Regierung jedoch zurückweist. Ob die beschlagnahmten acht Tonnen Kokain mit Leijdekkers in Verbindung stehen, ist unklar. Monika Dennhardt, die Leiterin der Zollfahndung Hannover, äußerte sich auf einer Pressekonferenz zurückhaltend zu den Ermittlungen, die in Spanien geführt werden.
Insider berichten, dass europäische Sicherheitsbehörden in Westafrika nicht gut vernetzt sind, im Gegensatz zu den Verbindungen in Lateinamerika. Hans-Joachim Leon, Leiter der Rauschgiftbekämpfung im BKA, äußerte Besorgnis über die wachsende Bedeutung von Sierra Leone als Drehkreuz für den Drogenschmuggel. Die Täter nutzen die unzureichende Überwachung an den westafrikanischen Küsten, um große Mengen Kokain zu transportieren.
Ermittlungen zu den Hinterleuten
Ob die Ermittler die Hinterleute der acht Tonnen Kokain identifizieren können, bleibt abzuwarten. Ein erster Erfolg wurde jedoch bereits erzielt: Die Zollfahndung Hannover füllte den beschlagnahmten Container mit einer Tarnladung und ließ ihn weiter nach Barcelona transportieren. Dort meldete sich eine Firma, die die Ware übernehmen wollte, was zur Festnahme von zwei Männern in Andalusien führte, die mit der Importfirma in Verbindung stehen. Diese Männer sind spanische Staatsbürger und einer von ihnen war bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit einem anderen Kokaintransport aufgefallen.
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Quellen: tagesschau
Bildquelle: GZD via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)