Am 30. Mai wird der Brennerpass, eine wesentliche Verkehrsachse in den Alpen, für mehrere Stunden für den gesamten Verkehr gesperrt. Diese Maßnahme betrifft sowohl Automobile als auch Lastkraftwagen, die an diesem Tag gezwungen sind, alternative Routen zu suchen. Grund für die Sperrung ist eine Demonstration von Anwohnern, die gegen die hohe Verkehrsbelastung protestieren. Auf der österreichischen Seite ist der Zugang von 11 Uhr bis 19 Uhr nicht möglich, während die italienische Seite von 10:30 Uhr bis 20 Uhr betroffen ist. Lastwagen dürfen bereits einige Stunden vorher nicht mehr über den Pass fahren. Die Sperrung betrifft nicht nur die Autobahn, sondern auch die Bundesstraße sowie angrenzende Nebenstrecken.
Die Demonstration wird durch die fortwährend hohe Verkehrsdichte am Brenner ausgelöst. Laut Angaben des Autobahnbetreibers Asfinag haben im vergangen Jahr nahezu elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen die mautpflichtige Autobahn befahren. Seit 2010 hat der Lkw-Verkehr um etwa 40 Prozent zugenommen. Insgesamt hat sich das Verkehrsaufkommen seit der Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den 1960er Jahren nahezu versiebenfacht. Die Anwohner, die in unmittelbarer Nähe der Autobahn wohnen, leiden unter Lärm, Feinstaub und häufigen Staus. Initiator des Protests ist der Bürgermeister von Gries, Karl Mühlsteiger.
Rechtliche Aspekte der Demonstration
Die Genehmigung der Demonstration durch die Gerichte ist besonders bemerkenswert, da frühere Anträge wegen der drohenden Verkehrsproblematik abgelehnt wurden. Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat jedoch entschieden, dass die Demonstration nicht aufgrund der hohen Verkehrsbelastung untersagt werden kann. In der Begründung wird betont, dass die Versammlungsfreiheit nicht durch die zu erwartenden Verkehrsprobleme eingeschränkt werden darf.
Erwartete Verkehrsbehinderungen
Die Blockade fällt in die Pfingstferien, was die Verkehrssituation zusätzlich verschärfen könnte. Die Polizei erwartet eine erhebliche Verkehrsbelastung und rät dazu, nicht notwendige Reisen zu vermeiden. Bereits an den Landesgrenzen werden Fahrzeuge kontrolliert, um die Fahrer über die bevorstehenden Einschränkungen zu informieren. Sollte es zu einem Verkehrskollaps kommen, könnte eine Verkehrslenkung erforderlich werden. Auch vor und nach der Sperrung sind erhebliche Staus zu erwarten.
Durchfahrt für Anwohner und Ausnahmen
In der betroffenen Region ist der Transitverkehr während der Sperrzeiten nicht gestattet. Ausnahmen gelten für den Ziel- und Quellverkehr. Reisende, die beispielsweise in einem Hotel im Stubaital gebucht haben, dürfen die Sperre passieren, sofern sie einen Nachweis erbringen. Radfahrer können die Landstraße zum Brenner nutzen.
Politische Reaktionen auf die Sperrung
Die politischen Reaktionen auf die bevorstehende Sperrung sind unterschiedlich. Bürgermeister Mühlsteiger sieht sich Kritik aus der Politik gegenüber. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter äußert, dass diese Maßnahme der Logistikbranche erheblich schaden wird. Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke zeigt sich besorgt über mögliche negative Auswirkungen auf die Beziehungen zu Deutschland und Italien. Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher warnt, dass eine stundenlange Blockade in der Bevölkerung auf Unverständnis stoßen könnte.
Reaktionen der Urlauber
Touristen in Südtirol reagieren auf die geplante Sperrung, indem sie ihre Urlaubspläne anpassen. Laut dem Hoteliers- und Gastwirteverband haben viele Gäste ihre Buchungen um einen Tag vor oder nach hinten verschoben, um die Blockade zu umgehen. Bürgermeister Mühlsteiger berichtet von zahlreichen positiven Rückmeldungen aus Deutschland, Italien und Österreich.
Alternative Routen
Für den 30. Mai und darüber hinaus existieren theoretisch Alternativen zur Brennerroute. Diese beinhalten den Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich sowie den Gotthardtunnel und den San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz. Diese Routen sind jedoch häufig zeitintensiver und weniger komfortabel. Eine mögliche Alternative könnte der Zug sein, der von Innsbruck nach Franzensfeste in etwa 80 Minuten benötigt. Mit der Inbetriebnahme des Brenner-Basistunnels im Jahr 2032 wird sich die Fahrzeit erheblich reduzieren, sodass Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h die Strecke in nur 25 Minuten zurücklegen können.
Hoffnungen auf den Brenner-Basistunnel
Die Vollendung des Brenner-Basistunnels wird als nachhaltige Lösung für die Verkehrsproblematik am Brenner erachtet. Allerdings wird die Inbetriebnahme erst für das Jahr 2032 erwartet, und die Nordzufahrt von Deutschland könnte bis dahin nicht die gewünschte Leistungsfähigkeit erreichen. Die Anwohner setzen große Hoffnungen auf Lärmschutzmaßnahmen, um die Belastungen durch den Verkehr zu verringern. Hierzu zählen der Bau moderner Lärmschutzwände und gegebenenfalls auch Einhausungen.
Quellen: n-tv, oeamtc, adac
Bildquelle: Iswoar via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)