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Russische Bürger im Angesicht wachsender Unsicherheiten

Das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg soll Optimismus verbreiten, doch viele Russen kämpfen mit steigenden Lebenshaltungskosten und Unsicherheiten. Während einige Branchen florieren, leiden andere stark unter der aktuellen Wirtschaftslage und den Auswirkungen des Kriegs.

Russische Bürger im Angesicht wachsender Unsicherheiten
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Das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg soll ein Zeichen für eine „stabile Zukunft“ setzen, doch viele Russen empfinden derzeit wenig davon. Wie gehen die Menschen mit ihren wirtschaftlichen Sorgen und den Ängsten vor dem Krieg um?

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Schließung eines Cafés in Moskau

Kirill packt die letzten Champagner-Flaschen in einen Karton, während sein Café fast leer ist. Nach sechs Jahren in einem der teuersten Stadtteile Moskaus sieht er sich gezwungen, seinen Betrieb zu schließen, nachdem bereits mehr als zehn umliegende Lokale pleitegegangen sind.

„Natürlich ist das traurig und emotional“, sagt Kirill und richtet seine Wollmütze. „Ich bin in diesen Jahren ein Teil des Viertels geworden. Aber jetzt ist alles vorbei.“

Kirill hatte das Café gepachtet und bot Brunch sowie Abendessen für junge Leute an, vor allem aus der Kunst- und Kulturszene. Er betont, dass die Preise moderat waren, doch die Sanktionen haben die Kosten für Wein und Käse aus dem Westen erheblich erhöht.

Zusätzlich steigen die Lebensmittelpreise und die Löhne, während der neue Eigentümer eine Miete verlangt, die viermal höher ist als zuvor. Dies bedeutet das Aus für Kirills Café.

Wirtschaftliche Herausforderungen

Die Wirtschaftsgeografin Natalia Subarewitsch erklärt: „2026 wird ein schwieriges Jahr für kleine Unternehmen sein.“ Die russischen Behörden hätten ihre Politik drastisch geändert. Zu Beginn des Jahres trat eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent in Kraft. Kremlchef Wladimir Putin benötigt Geld für seine Kriegskasse.

Darüber hinaus müssen kleinere Betriebe seit Jahresbeginn neue Abgaben leisten: „Das ist ein großes Problem, denn erstens steigen die Steuern, zweitens stagniert die Nachfrage. Die Einkommen der Menschen wachsen fast gar nicht mehr“, so Subarewitsch.

Ungleichheit in der Wirtschaft

Laut der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant stehen insbesondere der Gastronomie in diesem Jahr schwierige Zeiten bevor, was Kirill und seine Kollegen in Moskau bereits zu spüren bekommen haben. Das Geschäftsklima sei momentan herausfordernd.

Allerdings leiden nicht alle Menschen im Land unter der schlechten Wirtschaftslage. Subarewitsch stellt fest, dass sich die Wirtschaft in zwei Teile spaltet: „Für Menschen in der zivilen Wirtschaft läuft es schlecht. Die, die in der militärbezogenen Wirtschaft tätig sind, haben hingegen gute Zeiten.“ Dies gelte für das gesamte Land.

Die russischen Regionen kämpfen zudem mit erheblichen Haushaltsdefiziten, da sie hohe Beträge für Soldaten zahlen müssen, die Verträge unterschrieben haben. „Im Jahr 2025 schlossen 70 Regionen das Jahr mit einem Haushaltsdefizit ab. In einigen Regionen betrug das Defizit 20 bis 25 Prozent. Das ist sehr viel“, erklärt Subarewitsch.

Internationale Wirtschaftsforum und Kriegseinflüsse

Das diesjährige Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg steht unter dem Motto: „Pragmatischer Dialog: Der Weg in eine stabile Zukunft“. Russland betont, dass Vertreter aus mehr als 130 Ländern daran teilnehmen:

„Es kommt in einer sehr wichtigen Zeit, wenn die Politik der Globalisten eine komplette Niederlage erlitten hat“, sagt Kirill Dmitrijew, Wirtschaftsberater von Wladimir Putin und einer der Hauptpropagandisten des Kremls.

Das Wirtschaftsforum selbst hat jedoch einen heftigen Schlag erlitten: Kurz vor Beginn des Forums trafen ukrainische Drohnen Energie- und Militäranlagen rund um Sankt Petersburg. Zahlreiche Videos davon sind in sozialen Netzwerken zu sehen, während staatliche Fernsehsender diese Bilder kaum zeigen. Der Kreml spielt die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur oft herunter und lenkt die Aufmerksamkeit auf zivile Opfer.

Bei einem Angriff auf einen Reisebus sollen russischen Angaben zufolge sieben Menschen getötet worden sein.

Folgen der Drohnenangriffe

Die Attacken haben direkte Auswirkungen auf den Staatshaushalt, erklärt der russische Ökonom Igor Lipsits, einer der Gründer der Higher School of Economics in Moskau, der heute im Exil lebt und als ausländischer Agent gilt.

„Je mehr die von Drohnen getroffenen russischen Raffinerien repariert werden, desto geringer ist der Gewinn der russischen Ölkonzerne und desto geringer sind die Einkommenssteuern, die der Haushalt von den Ölkonzernen erhält“, erläutert er.

Somit leidet der Haushalt finanziell stark unter den ukrainischen Angriffen.

Ein Gefühl der Unsicherheit

Der Krieg scheint nun auch bei den Russen selbst angekommen zu sein. Auf einem Nachbarschaftsfest in einer ehemaligen Brotfabrik im Norden Moskaus treffen sich Familien und junge Leute, um selbstgemachten Schmuck oder Seifen zu kaufen, Tischtennis zu spielen oder Puppentheater für die Kleinen zu sehen.

Andrej, ein Wissenschaftler und Unternehmer, schlendert an den Verkaufsständen vorbei. Er berichtet, dass es ihm finanziell noch gut gehe, doch die Ungewissheit über die Zukunft belaste ihn und seine Freunde:

„Im Fernsehen sagen alle, dass die Kriegshandlungen und die Spezialoperation jeden Moment eingestellt werden sollen. Und dann wird es immer auf unbestimmte Zeit verschoben.“

Fatalismus in der Gesellschaft

Zusammen mit der wirtschaftlichen Ungewissheit beunruhigt dies viele Menschen im Land. Dies bestätigen auch Umfragen. Denis Wolkow vom unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Lewada Zentrum, das in Russland als ausländischer Agent gelistet ist, sagt:

„Auf die Frage, welches die drängendsten Probleme in Russland seien, kommen an erster Stelle die Inflation, an zweiter die andauernde Spezialoperation und an dritter die Korruption.“

Kirill, der Café-Besitzer, fegt die letzten Staubreste zusammen und wird seinen Laden für immer hinter sich lassen. Er denkt darüber nach, was sein nächstes Projekt sein könnte. Auch bei ihm macht sich ein Gefühl der Unsicherheit breit. Doch er fügt hinzu:

„In Russland ist den Menschen generell ein gewisser Fatalismus eigen: Es kommt so, wie es kommt.“

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Quellen: tagesschau

Bildquelle: depositphotos

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