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Kasachstan kündigt Ende der Stromimporte aus Russland an

Kasachstan plant, ab 2027 keinen Strom mehr aus Russland zu importieren. Dieser Schritt markiert einen Wendepunkt in der Energiepolitik des Landes und signalisiert eine zunehmende Unabhängigkeit von Moskau.

Kasachstan kündigt Ende der Stromimporte aus Russland an
depositphotos

Über viele Jahre war Kasachstan eng mit Russland verbunden, doch nun vollzieht das Land einen klaren Kurswechsel. Der angekündigte Stopp der Energieimporte aus Russland ab dem Jahr 2027 stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit dar und ist ein weiterer Rückschlag für die neo-zaristische Politik Moskaus.

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Der stellvertretende Energieminister Sungat Yessimkhanov bestätigte am 5. Mai 2026, dass Kasachstan ab 2027 keine Kilowattstunde Strom mehr aus Russland beziehen wird. Damit wird das zentralasiatische Land, das flächenmäßig zu den größten der Welt gehört, seine angestrebte Energieautarkie früher erreichen als ursprünglich geplant. Dies stellt einen strategischen Befreiungsschlag dar, nachdem das Land jahrzehntelang eng mit dem russischen Stromnetz verflochten war.

„Wenn wir alle geplanten Energieanlagen bis Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres in Betrieb nehmen, dann werden wir 2027 überhaupt nichts mehr aus Russland kaufen“, erklärte Yessimkhanov.

Das Stromdefizit in Kasachstan hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verringert: 2024 betrug es 2,1 Milliarden Kilowattstunden (kWh), 2025 lag es bei 1,5 Milliarden kWh (Produktion 123,1 Mrd. kWh, Verbrauch 124,6 Mrd. kWh). Für 2026 rechnet die Regierung mit einem Restdefizit von unter 1,5 Milliarden kWh, das noch durch Importe gedeckt werden soll. Ab 2027 soll die Bilanz jedoch ausgeglichen sein. Im vergangenen Jahr importierte Kasachstan noch 3,7 Milliarden kWh Strom.

Strategische Diversifizierung

Der Schritt sendet ein starkes Signal an die gesamte Region: Zentralasien beginnt, sich schrittweise aus der Abhängigkeit von russischer Energie zu lösen und setzt auf Diversifizierung. Für Russland bedeutet dies einen weiteren Verlust an Einfluss in Kasachstan, das einst Teil der Sowjetunion war und auch nach der Unabhängigkeit eng an Moskau gebunden blieb. Dies wirft die Frage auf, welche Risiken Putins Einschätzung für die Zukunft der russischen Wirtschaft birgt.

Die kasachische Regierung verfolgt eines der ehrgeizigsten Energieausbauprogramme Zentralasiens. Aktuell sind 81 Energieprojekte mit einer Gesamtleistung von 15,3 Gigawatt und Investitionen von über 13 Billionen Tenge (rund 25 Milliarden US-Dollar) in Planung. Viele dieser Projekte sollen bis zum ersten Quartal 2027 ans Netz gehen. In diesem Jahr wird bereits ein neues Wärmekraftwerk in Kyzylorda (240 MW) in Betrieb genommen. Allein im Jahr 2026 sollen 2,6 GW neue Kapazität installiert werden, um das Defizit bis Anfang 2027 zu beseitigen.

Erneuerbare Energien und Kohle

Bis Ende 2029 sind weitere 13,3 Gigawatt an Kapazitäten geplant, darunter 5,9 Gigawatt aus erneuerbaren Energien. Bis 2035 soll die gesamte neue Erzeugungskapazität sogar über 26 Gigawatt betragen, einschließlich Kernkraft und umweltfreundlicher Kohleverstromung. Im Rahmen eines nationalen Kohlekraftprojekts bis 2030 sind acht neue Kraftwerke mit insgesamt 5,3 GW vorgesehen, darunter das große Kohlekraftwerk Ekibastuz GRES-3 (2,64 GW) und Anlagen in Kurchatov, Zhezkazgan, Kokshetau, Semey und Ust-Kamenogorsk.

Neues Stromnetz

Zusätzlich plant Kasachstan den Ausbau des Stromnetzes, um die westlichen Regionen besser anzubinden und regionale Ungleichgewichte auszugleichen. Bis Ende 2027 sollen mehrere Tausend Kilometer neuer Hochspannungsleitungen im neuntgrößten Land der Welt entstehen.

Besonders auffällig ist die bewusste Abkehr von russischen Partnern bei den neuen Großprojekten. Frühere Pläne für russische Beteiligungen und zinsgünstige Finanzierungen wurden gestrichen. Das Kokshetau-Kraftwerk wird nun ausschließlich von kasachischer Seite gebaut, während die anderen durch ein kasachisch-singapurianisches Konsortium realisiert werden. Russische Finanzierungszusagen in Höhe von 2,7 Milliarden US-Dollar blieben aus.

Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU

Gleichzeitig intensiviert Kasachstan die Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU in den Bereichen Energie, Infrastruktur und kritische Rohstoffe. Während Astana seine Ölexporte nach Deutschland ausbaut, werden Projekte zu erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff vorangetrieben. Deutschland betrachtet Kasachstan zunehmend als strategischen Partner für die europäische Energiewende und eröffnete bereits 2023 ein Büro für Wasserstoffdiplomatie in Astana.

Dieser energiepolitische Kurswechsel hat für Russland weitreichende Konsequenzen: Moskau verliert nicht nur einen der wichtigsten Abnehmer für seinen Strom, sondern auch die Möglichkeit, Energie als Druckmittel gegen Kasachstan einzusetzen. Dies stellt einen weiteren strategischen Verlust in seinem ehemaligen Einflussbereich seit dem Ukraine-Krieg dar. Kasachstan war bis 2025 einer der größten Abnehmer russischer Elektrizität und deckte etwa 60 Prozent der gesamten russischen Stromexporte. Ein erheblicher Rückschlag für Russland ist bereits absehbar.

Der russische Exporteur Inter RAO meldete im ersten Quartal 2026 zwar ein Exportplus von 5,8 Prozent auf 2,12 Milliarden kWh, doch der Großteil ging nach Kasachstan und Georgien. Der chinesische Markt ist seit Januar 2026 komplett weggebrochen, da die russischen Exportpreise die heimischen Preise in China überstiegen.

Langfristige Strategie der Unabhängigkeit

Der Schritt Kasachstans verdeutlicht die langfristige Strategie der Multi-Vektor-Politik: Eine geringere Abhängigkeit von Moskau im Energiesektor, während man bei politisch sensiblen Themen weiterhin vorsichtig agiert. Gleichzeitig wächst die Zusammenarbeit mit China, Singapur und anderen Partnern. Energieunabhängigkeit wird in Astana als zentrale Säule der nationalen Souveränität betrachtet. Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat die Erweiterung der eigenen Kapazitäten als strategische Priorität hervorgehoben. Zudem bleibt die Frage, wie die EU auf die drohende Energiekrise reagiert.

Ob der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann, hängt von der pünktlichen Inbetriebnahme der neuen Anlagen, der Finanzierung und der Netzstabilität ab. Kritiker weisen auf den hohen Verschleiß bestehender Anlagen und mögliche Verzögerungen hin. Sollte der Plan jedoch gelingen, könnte Kasachstan ab 2029 sogar Strom exportieren und sich als bedeutender Energieakteur in Zentralasien etablieren.

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Quellen: n-tv

Bildquelle: depositphotos

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