Wie lange wird die Waffenruhe im Iran Bestand haben? Das Land setzt auf seine Stärke und sieht sich in der Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus. Ein Experte warnt: Irgendwann werden die USA vor der „unausweichlichen Wahl“ stehen: „Eskalation oder Zugeständnisse.“
US-Präsident Donald Trump soll dem Iran Berichten zufolge nur noch wenige Tage Zeit geben, um einen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts vorzulegen. Trump ist bereit, die Waffenruhe um drei bis fünf Tage zu verlängern, berichten US-Nachrichtenportale unter Berufung auf eine Quelle aus dem Weißen Haus. Die am Dienstag angekündigte Verlängerung der Waffenruhe ist demnach nur vorübergehend. Ein neuer Ansatz?
Die Sprecherin von Trump, Karoline Leavitt, erklärte, dass Trump Teheran keine Frist für die Einreichung eines Vorschlags gesetzt habe, jedoch sei er derjenige, der den Zeitrahmen festlege.
Teheran sieht sich jedoch in einer starken Position, insbesondere durch die Kontrolle über die für die Weltwirtschaft bedeutende Straße von Hormus. Ein Berater des Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf äußerte auf X, dass die „Verliererseite die Bedingungen nicht diktieren kann“. Am Mittwoch hatte der Iran mehrere Frachter in der Straße von Hormus angegriffen und damit seine Entschlossenheit demonstriert, die angekündigte Blockade des wichtigen Seewegs durchzusetzen. Trump kündigt Blockade an
Leavitt: Iran als „Bande von Piraten“
Das Weiße Haus hingegen spielt die Bedeutung dieser Vorfälle herunter. Leavitt erklärte gegenüber Fox News, dass die Medien die Situation übertreiben würden. Die iranische Marine sei vom US-Militär vollständig zerstört worden. Schnellboote hätten die Frachter angegriffen. „Der Iran hat sich von der tödlichsten Marine im Nahen Osten zu einer Bande von Piraten gewandelt“, so Leavitt. Sie behauptete, dass Teheran keine Kontrolle über die Straße von Hormus habe.
Vermittlerstaaten wie die Türkei, Pakistan und Ägypten bemühen sich laut Informationen des „Wall Street Journal“ intensiv um ein neues Treffen zwischen den beiden Seiten, das möglicherweise bereits an diesem Freitag stattfinden könnte.
Trump hatte die Öffnung der Meerenge als Bedingung für die Waffenruhe festgelegt und hält gleichzeitig an der US-Seeblockade fest, die Schiffe betrifft, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Danny Citrinowicz, ein führender Iran-Experte, äußerte auf X: „Es ist verlockend zu glauben, dass Zeit und Druck den Iran zum Einlenken zwingen werden. Doch das werden sie nicht.“ Statt Zugeständnissen zu machen, positioniere sich der Iran für eine Eskalation, „insbesondere auf eine Weise, die die globalen wirtschaftlichen Kosten einer Konfrontation erhöht“.
Experten: Teheran hat eigene Druckmittel
Richard Fontaine von der Denkfabrik Center for a New American Security (CNAS) schrieb auf X: „Der Kampf hat sich von der Luft und dem Land aufs Meer verlagert.“ Es gehe um „Blockade gegen Blockade. Ein Wirtschaftskrieg, konzentriert auf die Straße von Hormus.“ Die Blockade iranischer Häfen und die Entziehung von Öleinnahmen für die Revolutionsgarden seien für die USA effektiver als Trumps Drohungen, Kraftwerke und Brücken zu bombardieren.
Das Problem sei, dass der Iran mit der Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft belaste. Fontaine betonte, dass Teheran darauf setze, die Folgen einer Blockade länger aushalten zu können als der Rest der Welt. Irans Kontrolle über die Meerenge sei für Teheran „nützlicher als sein Atomprogramm“.
Citrinowicz warnte, dass die US-Regierung irgendwann vor der „unausweichlichen Wahl“ stehen werde: Eskalation oder Zugeständnisse. Selbst ein begrenzter Militärschlag werde Iran kaum zur Kapitulation bewegen. „Wahrscheinlicher ist, dass er eine Eskalation auslöst und die Krise, die er eigentlich eindämmen will, verschärft.“ Je eher Washington erkenne, „dass Druck ohne politisches Ziel eine Strategie ohne Ausweg ist, desto besser stehen die Chancen, einen endlosen Konflikt zu vermeiden“, so Citrinowicz. Nächste Schritte prüfen
Iranischer Sender: „Das Atomthema ist effektiv vom Tisch“
Der regierungstreue iranische Sender Press TV betonte in einer eigenen Einschätzung, dass der Iran in den vergangenen Jahrzehnten gelernt habe, unter maximalem Sanktionsdruck zu überleben. „Selbst wenn die Blockade morgen aufgehoben würde, würde der Iran sich weiterhin weigern, an Gesprächen teilzunehmen, solange der Feind darauf besteht, die Atomfrage anzusprechen“, hieß es. „Das Atomthema ist effektiv vom Tisch.“
Israel, das den Krieg zusammen mit den USA am 28. Februar begonnen hatte, fordert bei Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, dass der Iran Israel nicht mit seinem Atom- und Raketenprogramm bedrohen darf. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln. In Israel glaubt man nicht an eine Einigung und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, das Land sei „auf jedes Szenario vorbereitet“. Dies gelte „in der Verteidigung und im Angriff“, so Netanjahu bei einem Treffen mit Soldaten der israelischen Raketenabwehr.
Erneute Gespräche zwischen Israel und dem Libanon
Unterdessen finden am Donnerstag in Washington Gespräche auf Botschafterebene zwischen Israel und dem Libanon statt. Dabei geht es um den militärischen Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Die libanesische Regierung, die selbst keine Kriegspartei ist, strebt an, dass die am Freitag in Kraft getretene zehntägige Waffenruhe in eine dauerhafte Beilegung der Kämpfe mündet. Zudem will sie einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Libanons erreichen. Israel strebt laut Netanjahu ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah an.
Im Südlibanon kommt es jedoch trotz der Waffenruhe weiterhin zu tödlichen Zwischenfällen. Bei einem israelischen Luftangriff wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums drei Menschen getötet, darunter eine Journalistin, die für die Zeitung „Al Achbar“ arbeitete, die der Hisbollah nahesteht. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Waffenruhe wackelt. Ein Abgeordneter der Schiiten-Miliz erklärte einem libanesischen TV-Sender, die Organisation sei der Waffenruhe nicht mehr verpflichtet.
Bei den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA war umstritten, ob die zwischen Washington und Teheran vereinbarte Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Teheran sieht das so, die USA und Israel jedoch nicht. Die US-Botschaft in Beirut hat ihren Landsleuten im Libanon dringend geraten, das Land zu verlassen. „Die Sicherheitslage ist weiterhin komplex und kann sich schnell ändern“, teilte die Botschaft in einer Sicherheitswarnung mit.
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